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Es braucht ein Leben lang, bis die Maschine exzellent ist, perfekt wird sie nie! Gleiches gilt für gutes Leadership…

Ein Portrait über Karl Schlecht von Dr. Sofia Delgado.

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Das Putzmeistergebäude in Aichtal ist von der Schnellstraße aus zu sehen. Die große Zentrale ist umsäumt von hunderten von Autos. Das Unternehmen läuft gut, auch nachdem der Gründer Karl Schlecht seine Firmenwerte von Putzmeister 2012 an seinen chinesischen Hauptwettbewerber, der SANY-Gruppe verkauft hat. Der krönende Geschäftsabschluss einer imposanten Unternehmerkarriere.

Mit dem chinesischen Käufer teile er gemeinsame Werte. Er war nach deren Aussage ihr Vorbild, so der Unternehmer Karl Schlecht.

Alles muss dem Wertekodex von Herrn Schlecht entsprechen, wenn man mit ihm auf Augenhöhe verhandeln möchte. Es ist sein Credo, mehr noch, es sind seine (Lebens)-Werte. Wer diese mit ihm teilt, ist berechtigt mit ihm zu verhandeln. Die fünf Fragen, die ein jeder Unternehmer vor Vertragsabschluss lesen und beantworten muss, lauten:

  • Ist es wahr? Bin ich wahrhaftig, integer?
  • Bin ich ehrlich? Aufrichtig? Offen?
  • Ist es fair für alle Beteiligten?
  • Wird es Freundschaft und guten Willen fördern?
  • Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen?

Diesen Kodex hat er 1982 von den Rotariern übernommen, die ihn bereits 1932 für gutes Business entwickelt haben. Wie wichtig ihm das Thema ist, zeigt auch ein Dokument, das er “COPHY Sheet” nennt und an dem er seit vielen Jahren als Firmen-Wertekatalog kontinuierlich arbeitet.

Eine gute Führungskraft sollte diese Fragen als Fundament, als ethische Prinzipien und Werte sehen. Bei fünfmal „ja“ bildet es eine gute Basis für Geschäftsverhandlungen, für Vertrauen und Kunden-Treue.

Karl Schlecht selbst sieht man an diesem sonnigen Wintertag im Februar in der Kantine seines ehemaligen Unternehmens. Er sitzt dort im großen Gemeinschaftssaal, der sich mittlerweile geleert hat, beim Mittagessen. Er, der ehemaliger Weltmarktführer von Betonpumpmaschinen, als letzter ganz allein Spaghetti essend an einem langen Tisch, als ob es das normalste der Welt wäre. Hier, wo alles begann, inmitten der Betriebsamkeit der Arbeitsstätte, seine Ruhe zu finden und sich zu stärken. Es spricht für Bodenständigkeit, eine Eigenschaft, die einigen jungen erfolgreichen Unternehmern heutzutage fehlt. Sie setzen mehr auf Prestige und Statussymbole, denn auf Werte. Sie würden wahrscheinlich den Restauranttisch zu Mittag bevorzugen.

Es ist aber auch praktisch hier zu essen, denn die von ihm gegründete gemeinnützige Karl-Schlecht-Stiftung (KSG), befindet sich genau zwei Stockwerke über der Kantine. Dort ist er fast täglich anzutreffen. Man muss pragmatisch sein, im Kleinen wie im Großen, es ist sicherlich eine weitere Kerneigenschaft, die ihn auszeichnet. Als Pragmatiker hat er das Bauwesen revolutioniert, denn die Maschinen, die er erfunden hat, konnten den Betrieb beschleunigen und wurden weltweit zum Stand der Technik.

Mit einem Kaffee in der Hand geht es zunächst einmal in sein Büro. Ein großer Raum, der etwas Staatsmännisches hat, mit viel Holzmöbel und einem stattlichen, ovalen Besprechungstisch. Fotos, Geschenke und Figuren, stehen auf den Schränken und Regalen. Sie halten wichtige Momente in seinem Leben fest. Auch ein Sekretariat, wie es sich für große Unternehmer gehört, ist dem Zimmer vorgelagert. Von hier aus behält er seit 25 Jahren seine Stiftung im Blick, in die all das geflossen ist, was er sich seit der Studienzeit über die Jahrzehnte erschaffen hat. Die Zahlen können sich sehen lassen. Eine Milliarde Euro hoch profitablen Weltumsatz erwirtschafteten die rund 4000 Mitarbeiter (im Jahr 2007), wenige Jahre bevor das erfolgreiche Unternehmen Putzmeister verkauft wurde. Die Stiftung wurde gegründet, um etwas zurückzugeben an die Gesellschaft, an die Menschen, die seinen Wohlstand mitgestaltet haben.

Menschen dazu bringen, zu lieben was sie tun

Alles hat seine Zeit und mit der 1998 gegründeten, gemeinnützigen Stiftung KSG ist sein damaliges Lebenswerk (Putzmeister) auf diese Einrichtung ein Stück weit übertragen worden. Auch hier steckt etwas Pragmatismus drin, denn so können die ethischen Wertevorstellungen des Unternehmers Karl Schlecht weiterwirken und sich entfalten. Die Stiftung ist die Saatenbank, die das, was ihm immer persönlich am Herzen lag, in die Welt hineintragen soll, das Thema „Good Leadership“. So werden die Keimlinge in Form von Projektförderungen gepflanzt. Fünf Bereich sind es aktuell. Die Saat wird breit gestreut. Das Feedback der jungen Teilnehmer zeigt, dass sie aufgeht.

„Wir (die Stiftung) entwickeln eine Substanz, in der Dinge sich gestalten lassen, die der Stiftung am Herzen liegen. Junge Menschen sollen sich freuen, an dem was sie tun, sich bilden und lernen“, beschreibt der Stifter die Idee hinter allem. Führung entwickeln ist ein lebenslanger Prozess. Es braucht dafür guten Input, der etwas im Menschen bewirkt.

Woran man eine gute Führungskraft erkennt? Das weiß Karl Schlecht. Sie kann Menschen dazu bringen, zu lieben was man tut. In seiner Zeit als aktiver Unternehmer hat er das unter Beweis gestellt. Er konnte die Menschen dazu bewegen, an seine Ideen zu glauben und sie unter seiner Leitung in erfolgreiche Produkte und Kundentreue zu verwandeln.

Kontinuität, die fortwährende Arbeit an sich und den Maschinen, um noch ein Stück besser zu werden, auch dass ein Wesenszug von ihm. Wissend, dass es Grenzen gibt. „Der Mensch kann Exzellenz erreichen, doch perfekt wird er nie sein“, sagt er bescheiden. Es bleibt ein lebenslanger Prozess der Verbesserung, um wenigstens mit Fleiß der Exzellenz und der Perfektion in die Nähe zu kommen. Seine Maschinen sind dennoch so gut geworden, dass sie den Weltmarkt anführen. Mehr Erfolg kann man sich nicht wünschen. „Ich hatte immer das Glück wissenschaftlich zu arbeiten und konnte es selbst sofort in die Praxis umsetzen. So entstand unter anderem der „Gipsomat“, die erste automatische Gips-Verputzmaschine. Vor Ort mit lebenslang verinnerlichtem Wissen die Lösung finden, dazu spontane Intelligenz, dass ist das Entscheidende!“, beschreibt er seinen Erfolg, „Denn im Leben kann man immer etwas verbessern“. Mit seiner Hilfe, Verbesserung vor Ort und seinem ehrgeizigen Team schafften sie es den Beton 600 Meter in die Höhe beim Bau des welthöchsten Turms Burj Khalifa in den Vereinigten Arabischen Emiraten zu pumpen. Ein Höhenflug im doppelten Sinn.

Nun steht ein neuer Förderbereich in seinem Fokus: Ganzheitliche Gesundheit. Der Mensch als vollkommenes Wesen kann nur so gut funktionieren, wie er ausgestattet und beschaffen ist. Körper und Geist müssen im Einklang und gesund sein, um gute Leistungen zu erbringen. Noch ist es nur eine Idee, die gerade in ihm reift. Aber, so kennt man ihn, schon bald könnte aus der Vision Wirklichkeit werden.

Auf die richtige Zusammensetzung kommt es an

Visionen und der Glaube, dass es gelingt, das sind und waren der Motor seines Treibens. Mit einer Idee hat alles begonnen. Doch es ist noch viel mehr, was Karl Schlecht ausmacht und auch viele andere große Köpfe auszeichnet. Es ist fast immer Neugier in Kombination mit Fleiß und ein großes Selbstvertrauen, was erfolgreiche Menschen eint. Auch noch heute mit seinen fast 92 Jahren.
Neugier im Sinne von Neuem gestalten, erschaffen und mutig verstehen wollen. Selbstvertrauen, zu wissen, dass man auf dem richtigen Weg ist, die richtigen Entscheidungen trifft, auch wenn es nicht immer auf Anhieb funktioniert. Karl Schlecht zieht ein Großteil seines Selbstvertrauens aus seinem Wissen, seiner Begabung und seiner Intelligenz. Er hat Maschinenbau studiert und damit das Werkzeug zur Hand bekommen, um die Welt zu verändern. Doch was nützt einem das Werkzeug, wenn man es nicht nutzt, nicht an sich glaubt oder es falsch einsetzt?

Es braucht mehr als nur Wissen und Bildung, nur Überzeugungskraft, nur Fleiß, nur Glück, nur Aufmerksamkeit und nur Selbstvertrauen. Es muss alles in der richtigen Dosis zusammenkommen, damit es gut gedeihen und sich entfalten kann. Diese gute Mischung und Abstimmung scheint in ihm vorzuliegen und ist vielleicht eine weitere Begründung seines bisherigen Erfolges.

„Das Entscheidende war aber, dass ich immer ein gutes Beispiel, gute Vorbilder erkannte  ̶ das waren meine Eltern“, sagt er rückblickend. Er spricht auch von Selbstinteresse, das da sein muss. Damit sei nicht Egoismus gemeint. „Man ist interessiert, dass man Erfolg hat, dass man etwas gewinnt im Leben“, so bezeichnet er seinen nachhaltigen Willen zum Tun. Ehrlichkeit sieht er dabei nicht nur als Tugend, sondern als persönliches Vermögen an. Erklärungen, die vielleicht beinhalten, warum sich Erfolg bei so vielen anderen Menschen nicht einstellen mag. Vielleicht fehlt die eine oder andere Komponente oder das Ganze, inklusive der überaus wichtigen guten Vorbilder. Bei manchen mangelt es einfach an Ausdauer. Man muss auch bereit sein, die letzte Meile zu gehen. Zumindest wenn es darum geht, technische Probleme zu lösen.

Karl Schlecht ist ein wacher Geist, der in sich ruht und der insbesondere die heutigen tragischen Wechselwirkungen zwischen menschlichem Denken und der Gesellschaft analysiert: „Es kann nur jeder für sich das Beste tun. Wie müssen wir sein, damit wir gut sind? Im kleinen, nahen Kreis gut sein, den man überblicken kann, in der Hoffnung, dass dieser Kreis mit Vorbildern größer wird.“

Er gehört zu den ‚guten Leadern‘. Dazu ist er weise und erfahren. Von ihm und seiner Stiftung kann man viel lernen.

 

 

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